Und zack! Schalter umgelegt

(Diesen Beitrag habe ich vor 2 Wochen verfasst, aber nicht abgeschickt. Mittlerweile sehe ich das Thema schon wieder anders. 😉 Aber zu Dokumentationszwecken stelle ich ihm trotzdem online)

In den letzten Wochen seit der Ausschabung hatte ich eine halbwegs „ruhige“ Einstellung zum Kinderwunsch. Ja, ich möchte Kinder, aber ich kann mich auf den Kopf stellen, ich werde oder bleibe nicht schwanger. Also kann ich es auch kurzzeitig sein lassen, mich so zu bemühen. Glücklich war ich mit der Gesamtsituation nicht. Aber ich stand hinter der Entscheidung, bis August keinen neuen Versuch zu wagen. Sowohl um mir mal eine Pause zu gönnen, als auch dem Kerl und unserer Beziehung. Anstatt großer Entspannung kam dann eine große Beziehungskrise (aus der wir uns nun langsam aber sicher herausarbeiten). Das war in etwa das Gegenteil von dem, wie ich mir diese kiwu-Pause vorgestellt hatte. Aber nötig ist die Pause wohl wirklich. Und nun, da die Beziehung wieder mehr oder weniger „läuft“, geht das Gedankenkarussell wieder los. Im Moment versuche ich noch dagegen anzukämpfen, aber ich merke, dass das immer schwieriger wird. Ich träume davon, dass meine Kiwu-Ärztin einen US macht und mit mitteilt, dass ich zwar schwanger sei, aber diese SS gleich vergessen könne, weil mein Körper dies oder das nicht richtig gemacht habe. (Was für ein plakativer, simpler Traum)

Im Moment, mit den Schwangeren um mich herum, frage ich mich immer mehr warum der Kerl und ich uns den Scheiß eigentlich antun. Wenn es so leicht sein kann ein Kind in die Welt zu setzen, aber wir es einfach nicht hin bekommen, macht es dann überhaupt Sinn zu kämpfen? Vielleicht wäre Adoption der sinnvollere Weg. Von mir aus auch Leihmutterschaft. Nur komplett kinderlos bleiben, das ist für mich einfach keine Option!

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Mitten drin

Als das kiwu-Drama begann war ich 25. „Damals“ gab es nur wenig Freunde um uns herum, die Kinder hatten oder daran arbeiteten. Das war gut für mich, denn ich hatte schon genug mit mir selber zu tun. Und damals hatte ich schon das Gefühl, dass die Gesamtsituation schwer aushaltbar ist. Im Nachhinein kann ich selber nur über meine niedrige Belastungsgrenze von früher schmunzeln.

Mittlerweile bekommen die frisch gebackenen Eltern von „damals“ ihr nächstes Kind, und immer mehr Freunde gründen eine Familie. Wir befinden uns Beim Kerl und mir steht nicht mal mehr fest ob wir überhaupt noch genug Ausdauer haben, auf irgendeinem Weg dem Kinderwunsch nachzugehen. Die Situation ist viel ernster geworden, als sie noch zB 2015 oder 2016 war.

Trotzdem komme ich besser zurecht als früher. Mit mir selbst, aber auch mit der Verkündung neuer Schwangerschaften in meinem Umfeld. Davon gibt es in letzter Zeit einige 😉 Und es ist noch alles andere als gut für mich, aber es fühlt sich nicht mehr sooo schlimm an. Ich bin nicht mehr geschockt, wenn ich von Schwangerschaften erfahre. Ich habe vielleicht mittlerweile endlich akzeptiert, dass das Leben der Freunde eben nicht stehen geblieben ist, nur weil das bei mir der Fall ist.

Je mehr Freunde eine Familie gründen, desto mehr Freundschaften sind gefährdet. Auch ohne unerfüllten kiwu würden sich die Freundschaften durch den Nachwuchs ändern. Durch meinen Neid wird es natürlich für niemanden einfacher, sondern viiiieeel komplizierter und anstrengender. Und mittlerweile weiß ich, dass es viel Arbeit sein wird, diese Freundschaften aufrecht zu erhalten. Für beide Seiten. Und ich habe zwar schon mit den meisten der Freunde darüber geredet, aber ich bin wirklich gespannt ob die Freundschaften diese Belastung aushalten werden.

Notizen an mich

02.06.18:

Mein Körper nervt… Seit der Ausschabung sind nun etwa 8 Wochen vergangen. Von einer Regelblutung ist natürlich weit und breit nichts zu sehen. Dafür habe ich gerade exakt die gleichen Anzeichen wie bei den letzten SS. Und das seit etwa einer Woche. Aber keine Sorge, ich bin nicht schwanger. Meinem Körper ist wohl langweilig 😀

04.06.18:

Ich war heute das erste Mal seit der letzten Schwangerschaft wieder joggen. Ich habe mich da ziemlich lange vor gedrückt. Und dann war ich heute so gelangweilt von meinem Alltag, dass ich mich einfach angezogen habe und losgejoggt bin. Da hatte ich schon ein Bier und ein Glas Portwein intus. Ich muss sagen: so hat das wirklich Spaß gemacht! 😀

7.6.18:

Bei mir hat ernsthaft 8 Wochen nach der Ausschabung eine Blutung eingesetzt. 10 Tage vorher kam mir mein Ausfluss irgendwie so vor wie er um den ES herum sein sollte. Ich gehe nicht davon aus, dass ich einen ES hatte. Das wäre zu viel von meinem Körper verlangt. Aber ich glaube, dass er sich von ganz allein zumindest ein kleines bisschen hormonell in die Richtung eines ES gebracht hat. Und das von ganz alleine! Ich bin etwas stolz auf meinen Körper 🙂 ich bin gespannt, wann er sich das nächste Mal zu einer Blutung aufraffen kann!

Das Ganze hat für mich nichts mit Schwanger-Werden zu tun. Das schafft mein Körper eh nicht von allein, aber daran habe ich mich schon gewöhnt. Ich freue mich erst mal über die kleinen Dinge.

Und ich freue mich darüber, dass diese Blutung so unemotional für mich ist. Im letzten Jahr war es so oft so, dass die Blutung entweder das Ende einer Schwangerschaft einläutete, oder zumindest den Start eines neuen Versuchs. Dieses Mal aber ist es vollkommen egal, dass ich jetzt vor mich hin blute 😀

Plan B

Die Infoveranstaltung zur Pflege war ja… mittelmäßig beruhigend. Zwar ist es relativ wahrscheinlich, dass wir ein Kind zur Pflege aufnehmen können. Allerdings müssten wir ziemlich viele Abstriche machen. Ich habe deshalb die Idee der Pflege in meinem Kopf weit nach hinten geschoben. In sehr verzweifelten Zeiten hole ich die Idee vielleicht nochmal raus.

Bei der Pflege-Infoveranstaltung wurden mehrmals Kommentare gemacht, dass die jüngeren Kinder eher zur Adoption freigegeben werden. Also sollten wir uns vielleicht doch nochmal über Adoption un unserer Stadt informieren?! Was mich davon bisher abgehalten hat, war der Wunsch nach einem leiblichen Kind. Der ist eigentlich noch da. Aber so langsam muss ich mich vielleicht davon verabschieden. Nicht weil ich das will, sondern weil es nichts bringt, an diesem Wunsch festzuhalten. Der Kerl und ich sind uns einig, dass wir uns einfach mal informieren können. Also waren wir letztens im Jugendamt und haben uns fast 2 Stunden mit einer Sozialarbeiterin über Adoptionen in unserer Stadt unterhalten. Und seltsamerweise sieht es gar nicht sooo schlecht aus. Die Kinder sind meist unter einem Jahr alt, und insgesamt ist das Verhältnis von Kindern zu Bewerbern gar nicht mal so schlecht. Ich gehe davon aus, dass es viele Kinder mit FAS o.ä. gibt. Denn irgendeinen Haken muss es ja geben 😉 Aber naja, das muss man wahrscheinlich im Einzelfall betrachten.

Was an diesem Gespräch wirklich schön war: der Kerl und ich waren uns in wirklich vielen Punkten einig. In dem ganzen Kinderwunsch-Wirrwarr fühlte es sich gut an, dass wir nicht über das Vorgehen diskutieren, sondern einfach so – ohne Anstrengung – einer Meinung sind.

Camping

Ich versuche im Moment, etwas Abstand zu bekommen von dem Wunsch, schwanger zu sein. Oder überhaupt JETZT (dieses Jahr) ein Kind in meiner Familie zu haben. Ich mache im April und Mai ziemlich viel Urlaub und fahre weg. Die Ablenkung funktioniert halbwegs gut.

(Während ich das schreibe stehe ich in einem Geschäft in einer Schlange. Die Frau hinter mir schiebt den Kinderwagen nicht hinter mich, sondern immer direkt neben mich, sodass ich immer in den Wagen gucken kann. Klaaaaaaaaassseeeeee…)

Im letzten Urlaub hat sich bestätigt: wer Kinderwunsch hat, sollte keinen Städtetrip machen. Dort tummeln sich anscheinend die frisch gebackenen Eltern in der Elternzeit. Im nächsten Kurzurlaub gehts mit 2 Freunden auf den Campingplatz nach Holland. Ich hoffe, dass es dort weniger Kinderwagen zu sehen gibt, weil es den Eltern zu umständlich auf dem Campingplatz ist 😉

Allerdings komme ich auch bei diesem Urlaub nicht drum herum an „Familie“ zu denken. Uns hat doch ernsthaft ein Campingplatz nachträglich den Platz storniert, weil er keine Jugendlichen auf seinem Platz haben will. Der Campingplatz sei ein Familien-Campingplatz 😀

Wie bitte? 😀

Ich fasse zusammen: 4 Leute, alle um die 30 Jahre alt, ein Mann und eine Frau davon haben den gleichen Nachnamen, wollen mit einem Wohnwagen campen. Und reisen erst spät nachts an, weil sie vorher halt arbeiten müssen.

Uns wird der Platz verwehrt, weil wir keine Kinder haben? Im ersten Moment wollte ich den Campingplatz anrufen und sagen, dass ich wirklich gerne Kinder hätte, und dass ich nichts dafür kann, dass ich unfähig bin welche zu produzieren. Und jetzt benachteiligt mich sogar ein Campingplatz, weil ich keine Kinder habe?!? Als hätte ich nicht genug andere Probleme 😀

Ich konnte dem Impuls natürlich widerstehen. Wir können die Leute dort ja nicht davon überzeugen, dass wir einfach nur entspannt an den Strand gehen wollen und keinen Lärm machen. Wir gehen jetzt einfach auf einen anderen Campingplatz und gut ists 😉

Pflege-Info

Der Kerl und ich sind letztens bei einer Pflegefamilien-Infoveranstaltung gewesen. Und als wäre es ein Zeichen gewesen, hing kurz vor dieser Veranstaltung an „unserer“ Bushaltestelle ein Werbeplakat des Jugendamts. Ist mir schon klar, dass es keine Zeichen gibt. Aber ich habe es so gedeutet, dass wohl wirklich Pflegeeltern gesucht werden. Dementsprechend wurde ich ganz plötzlich unglaublich euphorisch. Während der gesamten Kinderwunschbehandlung gibt es nie auch nur einen Hauch einer Garantie, dass sich all die Mühe irgendwann auszahlt. Bei der Infoveranstaltung klang es hingegen zwischendurch so, als gäb es unglaublich viele Kinder, für die Pflegeeltern gesucht werden. Auch für die Dauerpflege.

Das RIESIGE Pro für die Pflege ist, dass wir damit bestimmt eine Familie mit Kind werden würden. Aber es gibt viele Contras: die Kinder in unserer Stadt sind mindestens 1 Jahr alt, wenn sie zur Dauerpflege freigegeben werden. Dabei ist meine Traumvorstellung, mit einem Säugling im Tragetuch herum zu laufen. Einjährige Kinder sind mir eigentlich schon zu „eigenständig“. Dann darf man bei der Pflege nicht vergessen, dass die Kinder meist aus schwierigen Familiensituationen kommen. Sonst müssten sie ja nicht in die Pflege. Dh die Kinder mussten schon einiges durchmachen. Und natürlich sind regelmäßige Kontakte zu den leiblichen Eltern quasi Pflicht. Sowie zum Jugendamt. Und man hat nicht wirklich was zu sagen, wenn es um grundlegende Änderungen geht. Dazu zählt auch so eine „Kleinigkeit“ wie die Wahl der Schule. So was entscheidet im Zweifelsfall das JA. Muss kein Problem sein, kann aber. Die Frage ist auch, ob man in eine andere Stadt umziehen darf. Allein wegen des Kontakts zur leiblichen Familie und des Kontakts zum JA ist das bestimmt schwer.

Man ist bei der Pflege eigentlich nur Dienstleister. Aber gleichzeitig wird man extrem schlecht bezahlt. Ich würde deutlich weniger für die Pflege bekommen als durch Elterngeld. (Es gibt bei Pflege kein Elterngeld) Naja gut, so wichtig ist mir das mit dem Geld für die paar Monate nicht. Allerdings kann ich nicht so in „Elternzeit“ gehen, wie ich mir das wünsche. In meiner Traumvorstellung nehme ich 6 Monate Elternzeit und dann nimmt der Kerl 6 Monate Elternzeit. Und dann geht’s ab in die Kita. Oder zur Tagesmutter. Bei der Pflege geht das so nicht. Zumindest nicht bei unserem JA. Das wünscht, dass einer mindestens 1,5 Jahre zuhause bleibt. Und das möchte weder der Kerl, noch ich. Ich fürchte, dass ich zuhause nicht genug kognitiv gefordert werden würde, und dann zu sehr abschalten würde. (Ich hatte das mal, als ich 3 Monate Urlaub gemacht hab. Da hatte ich zum Schluss das Gefühl, verdummt zu sein und hab mich richtig nach Matheaufgaben etc. gesehnt.) Für das Kind finde ich die Regelungen unseres JA aber gut. Sie kommen erst so spät in die Dauerpflege, damit wirklich klar ist, dass sie dort auch bleiben und es keine Rückführung gibt. Und wenn das Kind dann ein emotional schwieriges Jahr hatte, dann ist es auch nur gut, mehr als ein Jahr Zeit zu haben, eine Bindung zur Pflegefamilie aufzubauen, bevor es dann von der Pflegefamilie „weg“ geschickt wird in die Kita.

Ach, einen Punkt hätte ich fast vergessen: wenn ich ein Kind zur Pflege aufnehme, dann ist es nicht mein leibliches Kind. Dabei geht es mir nicht wirklich um meine Gene. Sondern darum, dass ich keine Schwangerschaft erlebt habe. Und eigentlich möchte ich das.

Im Moment denke ich nicht, dass ich mit all diesen Einschränkungen glücklich wäre. Ja, ich möchte Kinder in meinem Haus, und ja ich bin bereit dafür viel aufzugeben. Aber für die Pflege müsste ich im Moment noch zu viel Aufgeben. Deshalb hoffe ich, dass es noch einen anderen Weg für uns gibt und behalte die Pflege als Option im Hinterkopf. Vielleicht ist es ja genau das richtige für uns, wenn der Kerl und ich in 2 Jahren immer noch an exakt derselben Stelle stehen!

Die Zeit nach dem Streber

Ich bleibe mit der Überschrift bei meinem gewohnten Muster. Es folgt ein Beitrag für die Zeit ab der Diagnose „nö, klappt wohl doch nicht“. Aber eigentlich passt die Überschrift gar nicht. Denn Agnes und Alessia waren für mich schon viel realer als der Streber. bei Agnes und Alessia habe ich einen Herzschlag gesehen. Beim Streber hatte ich nie einen US, es war ja nur eine biochemische SS. Und ich habe eh versucht, die SS zu ignorieren.

Und trotzdem ist die Zeit, in der ich mich mit dem Streber beschäftigt habe, genauso lang gewesen wie mit Alessia und Agnes. 4 Wochen lief ich mit dem Zellhaufen in mir rum und wartete darauf, dass er bitte endlich von alleine abgeht. Bei Agnes und Alessia lief ich ca. 4 Wochen mit einem lebenden Embryo im Bauch rum. Und erfuhr erst dann die schlechte Nachricht.

Jetzt, ca 2 Wochen nach der Ausschabung, denke ich eigentlich gar nicht mehr an den Streber. Und das finde ich selber gut. Ich freue mich auf die Zeit, wenn ich meinen Körper wieder als normal ansehe. Nicht als einen unfähigen Klops, der nichts schafft. Ich weiß mittlerweile (aus Erfahrung) dass ich meinen Körper in ein paar Wochen wieder schön finden werde. Auf die Zeit freue ich mich!

In der Zwischenzeit rege ich mich über meinen Heuschnupfen auf, der dieses Jahr viel stärker ist als in den letzten Jahre. Und ich frage mich, ob da irgendeine Korrelation zwischen dem Heuschnupfen (welcher ja durch ein unentspanntes Immunsystem kommt) und der abgebrochenen Schwangerschaft besteht. Wenn mein Immunsystem grad wegen des Heuschnupfens eh in Alarmbereitschaft ist, ist es dann im Winter entspannter? Würde es dann im Winter eine SS tolerieren?